Bruchsal, zum Zweiten!
Im letzten Jahr hatte Aktionspatin Dagmar Kropp und ihre Klasse genauso wie fast überall in Deutschland keine Baumsamen finden können und deshalb mit ihren SchülerInnen 200 Wildlinge ausgepflanzt. Das war jetzt ganz anders - diesmal wurde fachgerecht gesät. Hier Dagmars wie gewohnt aufschlussreicher Bericht:
Eichhörnchen, Eichelhäher und Fünftklässler
Auf den ersten Blick scheinen sie nicht viel Gemeinsamkeiten aufzuweisen, das possierliche rostrote Tierchen mit dem buschigen Schwanz und jener Rabenvogel mit den schwarz-blau-weiß gebänderten Deckflügeln auf dem ansonsten rosa-bräunlichen Federkleid und meine 23 Fünftklässler.
Eichhörnchen und Eichelhäher, so bekundet schon ihr Name, haben offenbar eine besondere Affinität zu Eichen oder Eicheln, ja, haben letztere auf alle Fälle zum Fressen gern, bevorzugen sie auf ihrem Speiseplan und sammeln sie mit Feuereifer, sobald sie von den Bäumen purzeln. Meine Schülerinnen und Schüler konnte man am zeitigen Morgen des 09. Oktober 2009 ebenfalls eifrigst diese Früchte auflesen sehen.
Meine circa zehnjährigen Schützlinge hatten sich nach einstündigem Fußmarsch durch den herbstlichen Wald unter einer riesigen, 180jährigen Eiche weitab unserer Schule an einem Baggersee mit dem städtischen Förster getroffen.
Die mitgebrachten kleinen Baumwollbeutel waren rasch gefüllt. Das Eichhörnchen hätte viel zu laufen, um diese Menge an Eicheln als Wintervorrat anzulegen und in seinen diversen Speisekammern zu verbuddeln. Der Eichelhäher dagegen bekäme immerhin ca. 10 Eicheln auf einmal in seinen Kehlsack, womit er seine Schätze zu den geheimgehaltenen Lagerplätzen transportieren könnte. Während Eichhörnchen und Eichelhäher damit für den Winter vorsorgen, sich ums eigene Überleben und das ihrer Nachkommen kümmern, werden meine Jungs und Mädchen, auch wenn sie keine Lebensmittel bunkern, locker den Winter überstehen. Meine Kids sammelten die Eicheln also aus gänzlich anderen Beweggründen.
Angeregt durch Jean Gionos Buch "Der Mann der Bäume pflanzte", machten sich meine Ganztagsschüler Gedanken um die Zukunft, und zwar nicht ausschließlich um ihre persönliche Zukunft. Die 5a nahm sich vor, einen kleinen Wald zu säen, da sie von der Bedeutung des Waldes fürs Klima erfahren hatte, nicht lediglich über das Thema reden, sondern selbst aktiv werden wollte.
Nach fleißigem Einsammeln des Saatguts wechselte man den Standort, marschierte an die andere Seite des Baggersees und dort zu einer Lichtung des angrenzenden Waldes, wo die Kinder in Zweier-Teams nach Eichhörnchen- bzw. Eichelhäher-Manier und genauer Anleitung des pädagogisch äußerst geschickten Försters die Eicheln im Waldboden versteckten.
Schnell war mit im Technik-Unterricht hergestellten Pflanzhölzern eins ums andere Loch gebohrt, und noch schneller ließen eichhörnchenflinke Kinderhände darin jeweils eine Eichel verschwinden. Im Nu war das bestückte Loch mittels Schuhwerk wieder mit Erde abgedeckt. Und weiter ging's."
Mit großer Begeisterung wurde ausdauernd gesät und ganz nebenbei erfuhr man etwas über die gelegentlich auch natürliche Ausbreitung der Wälder. Eichhörnchen und Eichelhäher fressen während der kalten Jahreszeit den größten Teil ihrer versteckten Wintervorräte und der nicht wieder aufgefundene Teil hat die Gelegenheit zu keimen und zu jungen Eichen heranzuwachsen.
Die Waldsaat, die die 5a ausbrachte, wird vermutlich von niemandem geplündert und so haben viele, viele Eicheln die Chance, sich zu stattlichen Eichen zu entwickeln, auch wenn im Frühjahr Rehe und womöglich Wildschweine einige der Sämlinge mit Genuss an- und vielleicht wegknabbern werden.
Stolz und zufrieden machten sich die Fünftklässler zusammen mit mir, meiner ihnen bestens vertrauten Labradorhündin Amy und der Pädagischen Assistentin nach getaner Arbeit und einem Dankeschön an Herrn Durst, den Förster, auf den Heimweg zur Schule.
Wen wundert's, dass die Kids heute, nach mehr als einer Woche noch immer von ihrem Wald erzählen, dem sie den Namen "Eichhörnchenwald" gaben.
Was haben nun die im Titel Genannten gemeinsam? Eichhörnchen, Eichelhäher und Fünftklässler pflanzen keine Bäume - sie säen sie.
- Klasse 5a, Konrad-Adenauer-Schule -
